Weiße Schatten

Weiße Schatten. Wege durch die verlassene Papierfabrik Wolfswinkel heißt das aktuelle Kunstprojekt von ENDMORÄNE, einem Zusammenschluss von Künstlerinnen aus Brandenburg & Berlin, die seit 1991 verlassene Orte mit raum- und themenbezogenen Arbeiten bespielen. Passend zum Ort, der im Rahmen der Ausstellung das erste mal seit Jahren wieder legal betreten werden kann, haben viele der Künstlerinnen mit Papier gearbeitet. Da juchzt die Papiertänzerin!  Eine Ausstellung für alle, die Lost Places, leise Installationen & hausgemachte Himbeerbowle mögen. Am nächsten Wochenende 15./16.7.  Von 13h bis 18h ist letzte Gelegenheit. Die Fotos zeigen einige der künstlerischen Arbeiten ebenso wie die bereits vorhandene „Wandgestaltung“. Was davon Kunst ist und was nicht, dürft ihr entscheiden…

Als ich ein Kind war

Als ich ein Kind war, rochen die Sommer nach Gras und See.
Als ich ein Kind war, stolperte ich manchmal über die eigenen Füße.
Als ich ein Kind war, wogen Worte schwer. Als ich ein Kind war,
tanzten Lichter vor meinen Augen, wenn ich einschlief.
Das alte Krankenhausbett quietschte, rot war es und hochbeinig,
so dass ich mich darunter verstecken konnte, in meiner heimlichen Höhle
und mir Geschichten erzählen von Seeräubern und Abenteuern,
und immer war ich die wilde und unbezähmbare Seeräuberbraut.
Als ich ein Kind war, war ich leicht und schnell, mit braungebrannten
Beinen voller Schrammen und Mückenstiche. Als ich ein Kind war,
konnte ich fliegen, am Tag über den Asphalt und nachts über die Baumwipfel.
Als ich ein Kind war, war ich groß und größer, ich war die Königin.

Als ich ein Kind war, war ich allein in meinem roten Bett.
Der Blick auf die Straße war kalt und grau. Als ich ein Kind war,
suchte ich nach der anderen wilden Königin, der mit dem blonden Haar,
die meine Freundin hätte sein können. Und als ich sie endlich fand,
verlor ich sie wieder. Als ich ein Kind war, wollte ich stark sein und keine Heulsuse.
Als ich ein Kind war, kämpfte ich für die Unterdrückten und die Gerechtigkeit.
Meine Krone trug ich immer, auch wenn sie keiner sah. Nur abends im Bett
setzte ich sie ab und hüllte mich in mein Kleinsein.

(Text nach einem Schreibimpuls von Paro Bolam, Atelier für Worte & Farben).

Im Dreieck


Papiercollage auf altem Buchkarton.
(ca. 31 x 23,5cm)

Zu dieser abstrakten Collage hat mich die Künstlerin & Illustratorin Andrea D`Aquino  inspiriert. Ihr Buch Once upon a piece of paper ist eine kleine, feine Einführung in das Collagieren.

Als Herkunft der Redensart im Dreieck springen gilt übrigens Berlin. Mitte des 19. Jahrhunderts ließ Friedrich Wilhelm IV. im Stadtteil Moabit ein preußisches Mustergefängnis bauen, in dem die Häftlinge in Einzelzellen untergebracht waren. Auch der Hofgang erfolgte allein: in kuchenstückartigen, dreieckigen Höfen, die sehr klein waren. Wer Isolationshaft & Enge nicht aushielt, sprang im Dreieck.

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